Aktuell

«Drei Monate sind eine lange Zeit», sagt der, der weiss, dass er seit dem 17. Mai 2010 viel erfahren, viel erlebt und viel gelernt hat. «Drei Monate sind eine kurze Zeit», sagt der, der weiss, dass die Aufgabenvielfalt eines Betriebes mit 2'800 Mitarbeitenden und einem Budget von einer halben Milliarde Franken in 95 Tagen unmöglich zu überblicken ist. Da bleibt noch viel zu lernen. Trotzdem wage ich es, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Ich tue dies in Form eines Tagebuches.

Begrüssungsrede zum Mostfest auf dem Quartierbauernhof Weinegg

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mostfesterinnen und -fester

Ich möchte Sie auf eine kleine Zeitreise entführen: Wir befinden uns im Jahre 2030 nach Christus. Ganz Zürich ist von Wohnüberbauungen zubetoniert…

Ganz Zürich?

Nein! Ein kleiner Flecken am Burghölzlihügel wehrt sich erfolgreich gegen die Bauwut und gegen das mächtige Heer der Investorömern, die immer wieder versuchen, auch dieses kleine Fleckchen zu vereinnahmen – und dabei jedes Mal am erfolgreichen Widerstand der mutigen, klugen und witzigen Nutzerinnen und Nutzer des Quartierbauernhofs Weineggum scheitern.

Ihre Durchsetzungskraft gewinnen die Weineggumer aus einem schmackhaften Zaubertrank von ziemlich trüber Farbe. Für dessen Zutaten schneiden die Weineggummerinnen und Weineggummer keine Misteln von den Bäumen, sondern sie sammeln jeden Herbst saftige, rot-grüne Früchte von ihren altehrwürdigen Hochstammbäumen.

Auch in anderen Bereichen unterscheiden sich die Weineggummerinnen und Weineggumer von ihren Verwandten in der Bretagne:

  • Der Weineggumer-Zaubertrank wird nicht nur einer exklusiven Gruppe von Einheimischen vor der Schlacht gegen die Investorömern abgegeben, sondern auch den Einheimischen im angrenzenden Hirslandum verkauft.
  • Der Häuptling des Trägervereins Peter Majestelschow wird nicht auf dem Schild über den Hof getragen und so schlägt er sich denn auch selten den Kopf an. Ob er allerdings  Angst davor hat, dass ihm der Himmel auf den Kopf fallen könnte, ist nicht bekannt.
  • Wildschweine werden in Weineggum nicht in den umliegenden Wäldern gejagt, sondern von der Wollschweingruppe gemästet und gepflegt. Ihrem Schicksal entgehen sie aber trotzdem nicht!
  • Und da das Meer weit entfernt ist, gibt es auch keinen Stand von Verleihnix mit zweifelhaften Fischen und deshalb auch keine Dorfschlachten…

In einem sind sich Gallier und Weineggumer aber einig: Jede gewonnene Schlacht bzw. jedes Jahr muss mit einem Mostfest im Herbst gebührend gefeiert werden. Der heute aufspielenden Musikband «Be Sharp» bleibt das Schicksal von Troubadix aber sicher erspart…

Heute ist wieder so ein Tag, und ich bin zuversichtlich, dass dieses Fest auch lange nach 2030 jährlich gefeiert wird.