Wohnen darf nicht zum Luxusgut werden

Wohnbaudebatte im Gemeinderat, 25.11.09

Als ich Student war, galten die Kernstädte als hoffnungslose Fälle: Man bezeichnete sie als A-Städte, A, weil sich in ihnen die Armen, Alten, Arbeitslosen, Auszubildenden, AusländerInnen etc. drängten. Heute ist die Kernstadt Zürich immer noch eine A-Stadt, aber der Wind hat gedreht: Heute strömen AnlageberaterInnen, ÄrztInnen oder AnwältInnen in die Stadt.

Nicht dass ich etwas dagegen hätte, dass Zürich attraktiv ist. Im Gegenteil. Der Stadtrat hat gut daran getan, darauf zu achten, dass Zürich auch für Leute mit hohem Einkommen attraktiv ist. Doch des Gegensteuerns war zuviel: Das Boot ist auf die andere Seite in die Schräglage gekippt.

In Zürich herrscht ein Boom. Doch die Attraktivität der Stadt für die Kapitalkräftigen hat ihren Preis:

Für einen grossen, einen immer grösseren Teil der Bevölkerung werden die steigenden Preise zum Problem. Günstiger Wohnraum muss mehr und mehr teueren Neubauten weichen. Leute mit geringen Einkommen, die neu eine Wohnung brauchen, finden immer seltener eine. Und es trifft nicht nur Leute mit geringen Einkommen, auch der Mittelstand hat Mühe, wenn die Wohnung plötzlich 4000 Franken kostet.

Der Stadtrat hat diese negativen Begleiterscheinungen des Booms lange unterschätzt. Es ist erfreulich, dass er am Montag seine wohnbaupolitischen Grundsätze veröffentlich hat und zu erkennen gab, sich wieder mehr für bezahlbare Wohnungen einzusetzen.

Endlich möchte man sagen.

Wir GRÜNEN waren schon immer dran:

- für höhere Wohnraumanteile eingesetzt, z.B. im Maag-Areal und im Stadtraum-HB (heute Europa-Allee)

- für sozialen Wohnungsbau im Zollfreilager oder in der  Manegg

- für den Verkauf von städtischen Land ausschliesslich an soziale Wohnbauträger

- mit unserer Initiative “Bezahlbar und ökologisch wohnen” lanciert.

Keine Einzelmassnahme löst das Problem allein, da stimmen wir dem Stadtrat zu, aber alle leisten einen Beitrag und Chancen sind immer zu nutzen, nicht nur wenn es bequem ist.

Wohnen in Zürich darf nicht zum Luxusgut werden.

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